Neurogastroenterologie gemeinsam weiterentwickeln: Aktuelles aus den DGVS-Arbeitsgruppen

Im Rahmen der Viszeralmedizin 2026 in Hamburg kamen am Freitagmorgen, 18.09.2026, die Arbeitsgruppen Neurogastroenterologie und Psychosomatik in der Gastroenterologie der DGVS zum gemeinsamen Austausch zusammen. Auf der Agenda standen aktuelle Leitlinienprojekte, Aus- und Weiterbildung, Nachwuchsförderung, Funktionsdiagnostik, internationale Entwicklungen und die weitere Vernetzung des Fachgebiets. Die Arbeitsgruppe Neurogastroenterologie wird von Simon Scherer (Tübingen) und Felix Gundling (Bamberg) geleitet.

Die Sitzung machte deutlich: In der Neurogastroenterologie bewegt sich derzeit viel – von neuen wissenschaftlichen Standards bis zur Frage, wie das Fach langfristig in Weiterbildung, Versorgung und Forschung gestärkt werden kann.

Nachwuchs und Weiterbildung stärken
Ein Schwerpunkt lag auf der Nachwuchsgewinnung und der Sichtbarkeit der Neurogastroenterologie an Universitäten und in der ärztlichen Weiterbildung. Ziel ist es, junge Kolleg:innen frühzeitig für Motilität, Funktionsdiagnostik und Disorders of Gut-Brain Interaction (DGBI) zu begeistern und ihnen konkrete Ausbildungs- und Vernetzungsmöglichkeiten zu bieten.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die bestehenden DGVS-Fortbildungsangebote zur Neurogastroenterologie und Motilität. Auch praktische Kursformate werden weiter ausgebaut: Für die DGNM-Jahrestagung 2027 ist erstmals ein → Einsteiger-Manometrie-Kurs geplant (Anmeldungen sind ab sofort möglich, begrenzte Teilnehmendenzahl).

Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses bleibt ebenfalls zentral. Neben Promotionsstipendien wurde in der Sitzung insbesondere diskutiert, wie neurogastroenterologische Themen stärker bei jungen Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen sichtbar gemacht werden können.

Leitlinien und Standards: Neurogastroenterologische Expertise einbringen
Auch die Leitlinienarbeit nimmt weiterhin einen wichtigen Stellenwert ein. Für die Leitlinie zum Reizdarmsyndrom steht eine Aktualisierung an, die Ausschreibung für die Mitarbeit war zum Zeitpunkt der Sitzung bereits abgeschlossen. Gleichzeitig wurde diskutiert, wie eine ausreichende neurogastroenterologische Beteiligung an solchen Verfahren langfristig sichergestellt werden kann.

Ein weiteres aktuelles Thema ist die Weiterentwicklung der London Classification für anorektale Funktionsstörungen. Diskutiert wird unter anderem eine Erweiterung um die Defäkographie. Christian Pehl ist hierbei als deutscher Vertreter beteiligt, weitere interessierte Kolleg:innen wurden zur Mitarbeit eingeladen.

Funktionsdiagnostik auch strukturell stärken.
Neben wissenschaftlichen Standards wurden auch konkrete Versorgungsfragen diskutiert. Dazu gehört insbesondere die Vergütung neurogastroenterologischer Funktionsdiagnostik. Als möglicher Ansatz wurde unter anderem diskutiert, entsprechende diagnostische Leistungen für eine Aufnahme in den AOP-Katalog zu prüfen. Damit adressiert die Arbeitsgruppe nicht nur wissenschaftliche und methodische Fragen, sondern auch strukturelle Voraussetzungen für eine zeitgemäße neurogastroenterologische Versorgung.

Stiftung Neurogastroenterologie und Forschungsförderung
Auch die Arbeit der Stiftung für Neurogastroenterologie war Thema der Sitzung. Das Interesse am Preis der Stiftung ist weiterhin groß, zugleich wurde über Möglichkeiten einer langfristigen Verstetigung der Förderung gesprochen. Die Förderung hochwertiger klinischer und translationaler Forschung bleibt damit ein wichtiger Baustein, um die wissenschaftliche Entwicklung des Fachgebiets und insbesondere auch den Nachwuchs zu unterstützen.

Internationale Neurogastroenterologie: Vernetzung über Deutschland hinaus
Neurogastroenterologie ist ein international eng vernetztes Fachgebiet. Entsprechend nahm auch der Blick auf kommende internationale Veranstaltungen breiten Raum ein.
Zu den nächsten wichtigen Terminen gehören unter anderem → LBBB XIX Ende Oktober/Anfang November 2026, → FNM 2026 in Bogotá sowie → NeuroGASTRO 2027 in Leuven. Perspektivisch wurde außerdem bereits auf das nächste ENS-Development-Meeting 2028 in Melbourne verwiesen.
Gerade für Nachwuchswissenschaftler:innen sollen internationale Programme, Fellowships und Preise künftig noch sichtbarer kommuniziert werden.

Neurogastroenterologie und Psychosomatik enger vernetzen
Der gemeinsame Austausch mit der Arbeitsgruppe Psychosomatik in der Gastroenterologie unterstreicht die enge Verbindung beider Bereiche. DGBI lassen sich weder ausschließlich peripher noch ausschließlich zentral verstehen – biologische, neuronale, psychologische und soziale Faktoren greifen ineinander. Entsprechend sollen auch die Arbeitsgruppen enger zusammenarbeiten und gemeinsame Themen in Forschung, Leitlinien, Weiterbildung und Versorgung weiterentwickeln. Die Vernetzung war deshalb ein eigener Schwerpunkt der Sitzung.

Ein Netzwerk für die Neurogastroenterologie
Auch außerhalb der Jahrestagungen soll der Austausch weiter gestärkt werden. Das → DGNM-Netzwerk Neurogastroenterologie bietet inzwischen eine Übersicht wissenschaftlich aktiver Arbeitsgruppen und Standorte in Deutschland. Kolleg:innen und Forschungsgruppen, die dort noch nicht vertreten sind, sind ausdrücklich eingeladen, sich aufnehmen zu lassen.

Passend dazu entwickelt sich auch die Organisationsstruktur innerhalb der DGVS weiter: Die bisherigen Arbeitsgemeinschaften werden als Arbeitsgruppen fortgeführt. Die Sprecherteams werden für jeweils drei Jahre gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Die Mitarbeit steht allen DGVS-Mitgliedern offen. Die aktuelle Amtszeit läuft von 2025 bis 2028.

Ausblick: gemeinsam weiterdenken und mitgestalten
Die Sitzung auf der Viszeralmedizin 2026 hat gezeigt, wie breit die aktuellen Aufgaben der Neurogastroenterologie sind: wissenschaftliche Standards weiterentwickeln, Funktionsdiagnostik stärken, Nachwuchs gewinnen, interdisziplinäre Perspektiven integrieren und nationale wie internationale Netzwerke ausbauen.

Für die kommenden Monate stehen bereits die nächsten Projekte und Termine an. Auch das → Abstractportal für die DGNM-Jahrestagung vom 26.–28. Februar 2027 st bereits geöffnet, zudem sind neue praktische Fortbildungsformate geplant. Wer die Neurogastroenterologie aktiv mitgestalten möchte, ist herzlich eingeladen, sich einzubringen – in den Arbeitsgruppen, bei Leitlinienprojekten, im Netzwerk und mit eigenen wissenschaftlichen Beiträgen. Wir freuen uns auf Sie!